San Ignacio de Velasco, Bolivien, 18. August 2009,
Rundbrief Nr. 8
Ein herzliches Festtags-Grüß-Gott aus San Ignacio.
Wir sind am Feiern, oder besser gesagt „waren am Feiern“, die großen Feierlichkeiten sind jetzt schon alle vorbei. Und nein, es war nicht nur ein Festchen; man kam ja aus dem Feiern gar nicht richtig heraus, wobei es auch genügend Gründe dazu gab.
Der Erste war, dass zwischen der Gemeindeverwaltung in San Miguel und der Musikschule bzw. deren Organisator, die Pfarrei San Miguel, ein Vertrag zustande gekommen ist, welcher die Finanzierung der Musikschule bis Ende des Jahres ermöglicht. So konnten nun endlich mit dem ersten August die beiden anderen, benötigten Lehrer eingestellt werden. Damit können wir schon etwas zielgerichteter arbeiten und für das kommende Patronatsfest von San Miguel, dem 29. September, etwas vorbereiten.
Ein weiterer Grund des Feierns war natürlich das große Patronats- und 261-jährige Gründungsfest der Kathedrale, der Diözese und der Stadt San Ignacio am 31. Juni. Dazu hatte man eine ganze Festwoche organisiert, mit Kunst- und Handwerksausstellungen, Modenschau von chiquitanischer Mode, Konzerten, Kulturabenden und sofort. Dabei hat sich San Ignacio zu Wiege, Sitz und Hauptstadt der „moda chiquitana“ gemacht und in einem besonderen Festakt wurde diese Modeschöpfungen – stilistisch orientiert an der traditionellen Tracht – nicht nur regional oder national, sondern weltweit veröffentlicht und ausgesandt. Für mich hat das einen etwas übertrieben Eindruck gemacht, aber nun gut, für die Bewohner San Ignacios war es ein wichtiges Ereignis und diese Freude will ich ihnen lassen. Bedeutender waren mir die Feierlichkeiten am Vorabend und am Tag des Hl. Ingatius von Loyola. Am 30. Juni abends begann in traditioneller Weise die Vorabendmesse in der Kathedrale und anschließend der Umzug der gläubigen Gemeinde samt Bischof und dem Klerus der Diözese (der Hl. Ignatius ist auch gleichzeitig der Diözesanheilige), örtlichen Autoritätspersonen und vor allem natürlich der lebensgrossen Statue des Hl. Ignatius, geschmückt mit Blumen und Girlanden. Im Umzug wurde der santo, wie der San Ignacio einfach auch kurz genannt wird, in einer kurzen Prozessionsrunde rund um den Stadtplatz geleitet, angeführt und geleitet mit der roten Ehrenfahne von dem Trommeln und Flöten spielenden cabildo (Das cabildo ist eine größere Gruppe von Männern und teilw. auch Frauen, die stets die Heiliglenstatuen oder das Allerheiligste begleiten und schützen. Man kann diese Gruppe von der Funktion her ein bisschen mit der Schweizer Garde des Vatikans vergleichen, also hauptsächlich spielt sie eine representative Rolle. In Vorzeiten jedoch war sie die persönliche Leibwache der Priester und Pfarrer des Ortes. In den Landgemeinden ist diese Institution heute noch die höchste Autorität und Entscheidungskraft.) Anschließend trug man den Heiligen wieder zurück in die Kirche, worin es jedoch keinen mehr hielt: denn jetzt begann die lange, für einige im Tiefrausch oder gar nicht endende Nacht, mit vielen kulturellen Beiträgen und allerlei Schnick Schnack für die Kinder. Da gibt es alles, was das Kinder- oder Mannesherz begehrt; von Plastikspielzeug, Zuckerwatte und Schokofrüchten bis hin zu einer Unmenge von Bier. Der nächste Morgen, Tag des eigentlichen Festes, begann schon um fünf Uhr früh mit dem Morgengruß des Militärs und des cabildos. Doch für die etwas mehr Schalf benötigenden wie mich genügte es auch mit dem Festgottesdienst um 8.30 Uhr. Nach dem Festgottesdienst trat man erneut dieselbe Prozession wie oben erzählt an, nun aber in der heißen Vormittagssonne. Um zwölf Uhr mittags schloß mit der Speisesegnung der eigentliche Teil des Festes ab und man konnte eine etwas ausgiebigere siesta halten.
Kaum ging die Festwoche der fiesta patronal zu Ende, so begannen schon die Festivitäten rund um den 6. August, allerdings nicht wegen dem Fest der Verklärung Christi, sondern wegen dem Día de la Patria, dem Nationalfeiertag Boliviens, der ebenfalls am 6. August gefeiert wird. Und zu dieser Gelegenheit muss man sich natürlich gebührend presentieren. Dazu marschierten alle auf: am Abend mit Fackeln und Laternen, am Tage alle Schüler in Schuluniform und mit Nationalfahne ausstaffiert, die Militärabteilung, alle Abteilungen der Gemeindeverwaltung, sowie deren Mitarbeiter und nicht zuletzt sämtliche Autoritätspersonen. In Bolivien wird der Nationalfeiertag sehr hoch geachtet und groß gefeiert, nicht wie in Deutschland einfach nur ein schul- oder arbeitsfreier Tag.
Schließlich folgte das für uns wichtigste Fest am vergangenen Freitag und Samstag: Maria Himmelfahrt und damit das Patronats- und fünfjährige Gründungsfest unserer Pfarrei María Asunta. Ein Fest das sehr viel Arbeit mit sich brachte, aber ein schönes Fest, das alle Mühen entlohnte. Der Festablauf ist logischerweise derselbe wie der bereits oben beim Patronatsfest des Hl. Ignatius geschilderte, mit der Vorabendmesse und dem Hochamt am 15. August, sowie Prozession und Speisesegnung. Jedoch gab es einige Unterschiede:
Vor einiger Zeit bekamen wir in der Pfarrei ein elektrisches Glockensystem, das für unseren wohl ewig im Bauzustand bleibenden Kirchturm gedacht ist. Weil jener aber nicht einmal begehbar ist, da ihm wesentliches Innenleben – sprich eine Treppe –, sowie ein Dach fehlt, instalierte ich vorerst zwei der vier Lautsprecher am Kirchendach an der Vorderseite der Kirche. Als ich dann den Test dieses Glockengeläutes vom Tonband machte, kamen ganz aufgeregt und neugierig die Kinder, aber auch Erwachsene der Nachbarschaft herbeigeeilt und wollten wissen, was den eigentlich los sei, mit den Worten: „Wenn man so die Glocken der Kathedrale läutet, ist irgend etwas schlimmes passiert.“ Naja, so schlimm war es dann doch nicht, das, was passiert ist. Im Gegenteil, ich war froh, dass meine Instalation funktionierte. So weihten wir das große Glockengeläut von María Asunta mit dem Glockenklang von Sankt Peter und dem Big Ben zum Patronatsfest gebührend ein, welches von jetzt an unsere alte, vor fünf Jahren als dankbare Spende empfangene, wahre Glocke ersetzen wird.
Etwas anderes, das am Patronatsfest am 15. August eingeweihten oder besser gesagt gesegneten wurde, war der Grundstein unseres Pfarrsaales. Von diesem Pfarrsaalprojekt habe ich bereits in einem der früheren Rundbriefe kurz berichtet. Da die Pfarrei María Asunta über keinen Pfarrsaal oder Ähnliches verfügt, um beispielsweise die wöchentlichen Gruppenstunden der vielen in der Pfarrei existierenden Gruppen oder auch andere Veranstaltungen jeglicher Art abzuhalten, muss dazu immer die Kirche benützt werden, was teils etwas unangenehm und nicht sehr konfortabel ist. So ist nun die Idee, einen mittelgroßen Pfarrsaal zu errichten, oder zumindest, mit dem wichtigsten, dem Dach und dem Boden, anzufangen. Dazu haben die Jugendlichen den Grundstein gelegt, der Pfarrer hat den Mörtel darüber geschüttet und der Bischof hat das Ganze gesegnet; da muss es ja was werden mit dem salon parroquial!
Am Vorabend des Festes, also am 14. August, konnten die vielen Gottesdienstbesucher und Gläubigen (in den beiden Tagen jeweils etwa 800-900 Personen) einem ganz besonderen Programm beiwohnen: ein Kulturabend, mit wunderschönen und sehr vielfältigen Beiträgen von den zur Pfarrei gehörenden Schulen, den Gruppen der Pfarrei sowie einer kammermusikalischen Streichergruppe von der Musikschule San Miguel. Die Beiträge reichten von folklorischer Musik und Tänzen in der typischen Tracht über Lieder zur Ehre Mariens, der Patronin der Kirche, Gedichte, theatralische Darstellungen bis hin zu barocken Streichersonaten. Für die Hungrigen wurden Gebäcke und Kuchen, sowie chicha, das Maisgetränk, ausgeteilt. Wobei die chicha nun zum ersten Mal in den hier üblichen tutumas dargereicht wurde, eine Fruchtschale von etwa der Größe einer Müsli- bis Salatschüssel. Bisher wurde stets in Einweg-Plastikbechern serviert, was etwa 1500 leere Plastikbecher über den Hof verstreut zur Folge hatte. Die tutumas im Gegensatz dazu werden wieder zurückgebracht und eingesammelt.
Am Festtag nachmittags, nach der Speisesegnung und dem Mittagessen, fanden dann endlich die von den Kindern heiß ersehnten Spiele statt. Zum Teil ganz ordinäre Spiele wie Sackhüpfen, Seilziehen und Eierlauf, aber auch ein Spiel, das sehr lustig, aber auch schwierig ist: es nennt sich palo enceba’o. Der palo enceba’o, was wörtlich übersetzt soviel wie „eingefetteter Pfahl“ heißt, ist ein aufrecht aufgestellter, kahler Pfahl von etwa acht Metern Höhe, wobei am oberen Ende Geschenke wie Fussbälle, T-Shirts, Spiele, Süßigkeiten und andere Dinge befestigt werden, welche die Kinder und Jugendlichen „erklettern“ müssen. Doch wäre das viel zu leicht, da einfach hinaufzuklettern und sich die Dinge herunterzuholen. Nein, das muss schon ein bisschen erschwert werden! Und dazu kommt stinkendes, altes, Rinderfett und Altöl zum Einsatz. Damit wird der Pfahl von oben bis unten kräftig eingerieben, so dass alles schön klitschig und rutschig ist. So vorbereitet, wird der palo enceba’o zum Spiel freigegeben und alles, was keine Angst vor Höhe und stinkendem Altöl hat, versucht sich daran, einer den anderen in die Höhe stemmend, um nach kurzem Höhenflug wieder in die Tiefe hinabzugleiten. Mit diesen Spielen und der anschließenden Reinigungsaktion wurde auch das fünfte Patronatsfest von María Asunta abgerundet.
Neben diesen ganzen Festen finde ich in letzter Zeit immer mehr Gelegenheit, um einige pratkische Arbeiten in Haus und Garten in San Ignacio zu erledigen, wie das Anlegen von Pflasterwegen, elektrische Instalationen von Licht, die endlose Bekämpfung von Blattschneiderameisen, welche regelmäßig den gesamten Zitrusfruchtbaumbestand vernichten, oder auch nur den Kirchenvorplatz von Bauschutt zu befreien, um dort einen einfachen Volleyballplatz mit den Kindern und Jugendlichen zu errichten. Diese mehr praktischen Dinge bilden zu meinen sonstigen Tätigkeiten wie der Musikunterricht drei Tage die Woche in San Miguel oder anderen Schreibtischaufgaben eine gute Abwechslung.
In den nächsten Wochen wird hoffentlich wieder ein etwas ruhigeres und geordneteres Leben einkehren, während die Musikschule in San Miguel sich auf das kommende Patronatsfest in San Miguel Ende September vorbereitet. Da sollte schon etwas hörbares erklingen; und viel Zeit bleibt nicht mehr. Aber man wird das Beste vorbereiten und etwas mit dem Jugendchor und dem Streichorchester darbieten.
Wie Ihr seht, fiel bisher bei mir noch kein einziges Wörtchen von Abschiednehmen von San Ignacio und San Miguel, um mich auf in Richtung heimatliche Gefielde zu machen. War es doch als zwölfmonatiger Aufenthalt gedacht, welcher in diesem Monat August zu Ende gehen würde. Die allermeisten meiner Mit-MaZler sind bereits nach Hause zurückgekehrt. Doch bereits seit langer Zeit war und ist mir klar, das für dieses Jahr als Missionar auf Zeit nicht auf zwölf Monate beschränkt bleiben wird. Einige vielleicht werden jetzt denken: „Ja, ja, der wird da schon seine Frau gefunden haben“. Aber nein, das kann ich Euch allen versichern, das ist es nicht, was mich länger hält! Ich will einfach diese einmalige Chance von MaZ besser nutzen, tiefer in diese Kultur und die Lebens- und Denkweise der Bewohner der Chiquitania eintauchen und mich und meine Arbeit dort zur Verfügung zu stellen, wo Gott mich braucht und eingeplant hat. Aber keine Angst, ich werde auch nicht für immer hier bleiben! Nur ein paar Monate mehr! Damit der Flug nicht direkt umsonst war. ;-)
Wie immer gibts von all diesen oben berichteten Geschehnissen schöne Fotos, die in den nächsten Tagen auf meinem Blog erscheinen werden.
So kann ich jetzt nur noch den Kindern und Jugendlichen schöne, erholsame restliche Sommerferien, sowie allen eine gesegnete, schöne, deutsche Sommerszeit wünschen.
Ganz viele, liebe Grüße aus Bolivien,
Euer Severin
Rundbrief Nr. 8
Ein herzliches Festtags-Grüß-Gott aus San Ignacio.
Wir sind am Feiern, oder besser gesagt „waren am Feiern“, die großen Feierlichkeiten sind jetzt schon alle vorbei. Und nein, es war nicht nur ein Festchen; man kam ja aus dem Feiern gar nicht richtig heraus, wobei es auch genügend Gründe dazu gab.
Der Erste war, dass zwischen der Gemeindeverwaltung in San Miguel und der Musikschule bzw. deren Organisator, die Pfarrei San Miguel, ein Vertrag zustande gekommen ist, welcher die Finanzierung der Musikschule bis Ende des Jahres ermöglicht. So konnten nun endlich mit dem ersten August die beiden anderen, benötigten Lehrer eingestellt werden. Damit können wir schon etwas zielgerichteter arbeiten und für das kommende Patronatsfest von San Miguel, dem 29. September, etwas vorbereiten.
Ein weiterer Grund des Feierns war natürlich das große Patronats- und 261-jährige Gründungsfest der Kathedrale, der Diözese und der Stadt San Ignacio am 31. Juni. Dazu hatte man eine ganze Festwoche organisiert, mit Kunst- und Handwerksausstellungen, Modenschau von chiquitanischer Mode, Konzerten, Kulturabenden und sofort. Dabei hat sich San Ignacio zu Wiege, Sitz und Hauptstadt der „moda chiquitana“ gemacht und in einem besonderen Festakt wurde diese Modeschöpfungen – stilistisch orientiert an der traditionellen Tracht – nicht nur regional oder national, sondern weltweit veröffentlicht und ausgesandt. Für mich hat das einen etwas übertrieben Eindruck gemacht, aber nun gut, für die Bewohner San Ignacios war es ein wichtiges Ereignis und diese Freude will ich ihnen lassen. Bedeutender waren mir die Feierlichkeiten am Vorabend und am Tag des Hl. Ingatius von Loyola. Am 30. Juni abends begann in traditioneller Weise die Vorabendmesse in der Kathedrale und anschließend der Umzug der gläubigen Gemeinde samt Bischof und dem Klerus der Diözese (der Hl. Ignatius ist auch gleichzeitig der Diözesanheilige), örtlichen Autoritätspersonen und vor allem natürlich der lebensgrossen Statue des Hl. Ignatius, geschmückt mit Blumen und Girlanden. Im Umzug wurde der santo, wie der San Ignacio einfach auch kurz genannt wird, in einer kurzen Prozessionsrunde rund um den Stadtplatz geleitet, angeführt und geleitet mit der roten Ehrenfahne von dem Trommeln und Flöten spielenden cabildo (Das cabildo ist eine größere Gruppe von Männern und teilw. auch Frauen, die stets die Heiliglenstatuen oder das Allerheiligste begleiten und schützen. Man kann diese Gruppe von der Funktion her ein bisschen mit der Schweizer Garde des Vatikans vergleichen, also hauptsächlich spielt sie eine representative Rolle. In Vorzeiten jedoch war sie die persönliche Leibwache der Priester und Pfarrer des Ortes. In den Landgemeinden ist diese Institution heute noch die höchste Autorität und Entscheidungskraft.) Anschließend trug man den Heiligen wieder zurück in die Kirche, worin es jedoch keinen mehr hielt: denn jetzt begann die lange, für einige im Tiefrausch oder gar nicht endende Nacht, mit vielen kulturellen Beiträgen und allerlei Schnick Schnack für die Kinder. Da gibt es alles, was das Kinder- oder Mannesherz begehrt; von Plastikspielzeug, Zuckerwatte und Schokofrüchten bis hin zu einer Unmenge von Bier. Der nächste Morgen, Tag des eigentlichen Festes, begann schon um fünf Uhr früh mit dem Morgengruß des Militärs und des cabildos. Doch für die etwas mehr Schalf benötigenden wie mich genügte es auch mit dem Festgottesdienst um 8.30 Uhr. Nach dem Festgottesdienst trat man erneut dieselbe Prozession wie oben erzählt an, nun aber in der heißen Vormittagssonne. Um zwölf Uhr mittags schloß mit der Speisesegnung der eigentliche Teil des Festes ab und man konnte eine etwas ausgiebigere siesta halten.
Kaum ging die Festwoche der fiesta patronal zu Ende, so begannen schon die Festivitäten rund um den 6. August, allerdings nicht wegen dem Fest der Verklärung Christi, sondern wegen dem Día de la Patria, dem Nationalfeiertag Boliviens, der ebenfalls am 6. August gefeiert wird. Und zu dieser Gelegenheit muss man sich natürlich gebührend presentieren. Dazu marschierten alle auf: am Abend mit Fackeln und Laternen, am Tage alle Schüler in Schuluniform und mit Nationalfahne ausstaffiert, die Militärabteilung, alle Abteilungen der Gemeindeverwaltung, sowie deren Mitarbeiter und nicht zuletzt sämtliche Autoritätspersonen. In Bolivien wird der Nationalfeiertag sehr hoch geachtet und groß gefeiert, nicht wie in Deutschland einfach nur ein schul- oder arbeitsfreier Tag.
Schließlich folgte das für uns wichtigste Fest am vergangenen Freitag und Samstag: Maria Himmelfahrt und damit das Patronats- und fünfjährige Gründungsfest unserer Pfarrei María Asunta. Ein Fest das sehr viel Arbeit mit sich brachte, aber ein schönes Fest, das alle Mühen entlohnte. Der Festablauf ist logischerweise derselbe wie der bereits oben beim Patronatsfest des Hl. Ignatius geschilderte, mit der Vorabendmesse und dem Hochamt am 15. August, sowie Prozession und Speisesegnung. Jedoch gab es einige Unterschiede:
Vor einiger Zeit bekamen wir in der Pfarrei ein elektrisches Glockensystem, das für unseren wohl ewig im Bauzustand bleibenden Kirchturm gedacht ist. Weil jener aber nicht einmal begehbar ist, da ihm wesentliches Innenleben – sprich eine Treppe –, sowie ein Dach fehlt, instalierte ich vorerst zwei der vier Lautsprecher am Kirchendach an der Vorderseite der Kirche. Als ich dann den Test dieses Glockengeläutes vom Tonband machte, kamen ganz aufgeregt und neugierig die Kinder, aber auch Erwachsene der Nachbarschaft herbeigeeilt und wollten wissen, was den eigentlich los sei, mit den Worten: „Wenn man so die Glocken der Kathedrale läutet, ist irgend etwas schlimmes passiert.“ Naja, so schlimm war es dann doch nicht, das, was passiert ist. Im Gegenteil, ich war froh, dass meine Instalation funktionierte. So weihten wir das große Glockengeläut von María Asunta mit dem Glockenklang von Sankt Peter und dem Big Ben zum Patronatsfest gebührend ein, welches von jetzt an unsere alte, vor fünf Jahren als dankbare Spende empfangene, wahre Glocke ersetzen wird.
Etwas anderes, das am Patronatsfest am 15. August eingeweihten oder besser gesagt gesegneten wurde, war der Grundstein unseres Pfarrsaales. Von diesem Pfarrsaalprojekt habe ich bereits in einem der früheren Rundbriefe kurz berichtet. Da die Pfarrei María Asunta über keinen Pfarrsaal oder Ähnliches verfügt, um beispielsweise die wöchentlichen Gruppenstunden der vielen in der Pfarrei existierenden Gruppen oder auch andere Veranstaltungen jeglicher Art abzuhalten, muss dazu immer die Kirche benützt werden, was teils etwas unangenehm und nicht sehr konfortabel ist. So ist nun die Idee, einen mittelgroßen Pfarrsaal zu errichten, oder zumindest, mit dem wichtigsten, dem Dach und dem Boden, anzufangen. Dazu haben die Jugendlichen den Grundstein gelegt, der Pfarrer hat den Mörtel darüber geschüttet und der Bischof hat das Ganze gesegnet; da muss es ja was werden mit dem salon parroquial!
Am Vorabend des Festes, also am 14. August, konnten die vielen Gottesdienstbesucher und Gläubigen (in den beiden Tagen jeweils etwa 800-900 Personen) einem ganz besonderen Programm beiwohnen: ein Kulturabend, mit wunderschönen und sehr vielfältigen Beiträgen von den zur Pfarrei gehörenden Schulen, den Gruppen der Pfarrei sowie einer kammermusikalischen Streichergruppe von der Musikschule San Miguel. Die Beiträge reichten von folklorischer Musik und Tänzen in der typischen Tracht über Lieder zur Ehre Mariens, der Patronin der Kirche, Gedichte, theatralische Darstellungen bis hin zu barocken Streichersonaten. Für die Hungrigen wurden Gebäcke und Kuchen, sowie chicha, das Maisgetränk, ausgeteilt. Wobei die chicha nun zum ersten Mal in den hier üblichen tutumas dargereicht wurde, eine Fruchtschale von etwa der Größe einer Müsli- bis Salatschüssel. Bisher wurde stets in Einweg-Plastikbechern serviert, was etwa 1500 leere Plastikbecher über den Hof verstreut zur Folge hatte. Die tutumas im Gegensatz dazu werden wieder zurückgebracht und eingesammelt.
Am Festtag nachmittags, nach der Speisesegnung und dem Mittagessen, fanden dann endlich die von den Kindern heiß ersehnten Spiele statt. Zum Teil ganz ordinäre Spiele wie Sackhüpfen, Seilziehen und Eierlauf, aber auch ein Spiel, das sehr lustig, aber auch schwierig ist: es nennt sich palo enceba’o. Der palo enceba’o, was wörtlich übersetzt soviel wie „eingefetteter Pfahl“ heißt, ist ein aufrecht aufgestellter, kahler Pfahl von etwa acht Metern Höhe, wobei am oberen Ende Geschenke wie Fussbälle, T-Shirts, Spiele, Süßigkeiten und andere Dinge befestigt werden, welche die Kinder und Jugendlichen „erklettern“ müssen. Doch wäre das viel zu leicht, da einfach hinaufzuklettern und sich die Dinge herunterzuholen. Nein, das muss schon ein bisschen erschwert werden! Und dazu kommt stinkendes, altes, Rinderfett und Altöl zum Einsatz. Damit wird der Pfahl von oben bis unten kräftig eingerieben, so dass alles schön klitschig und rutschig ist. So vorbereitet, wird der palo enceba’o zum Spiel freigegeben und alles, was keine Angst vor Höhe und stinkendem Altöl hat, versucht sich daran, einer den anderen in die Höhe stemmend, um nach kurzem Höhenflug wieder in die Tiefe hinabzugleiten. Mit diesen Spielen und der anschließenden Reinigungsaktion wurde auch das fünfte Patronatsfest von María Asunta abgerundet.
Neben diesen ganzen Festen finde ich in letzter Zeit immer mehr Gelegenheit, um einige pratkische Arbeiten in Haus und Garten in San Ignacio zu erledigen, wie das Anlegen von Pflasterwegen, elektrische Instalationen von Licht, die endlose Bekämpfung von Blattschneiderameisen, welche regelmäßig den gesamten Zitrusfruchtbaumbestand vernichten, oder auch nur den Kirchenvorplatz von Bauschutt zu befreien, um dort einen einfachen Volleyballplatz mit den Kindern und Jugendlichen zu errichten. Diese mehr praktischen Dinge bilden zu meinen sonstigen Tätigkeiten wie der Musikunterricht drei Tage die Woche in San Miguel oder anderen Schreibtischaufgaben eine gute Abwechslung.
In den nächsten Wochen wird hoffentlich wieder ein etwas ruhigeres und geordneteres Leben einkehren, während die Musikschule in San Miguel sich auf das kommende Patronatsfest in San Miguel Ende September vorbereitet. Da sollte schon etwas hörbares erklingen; und viel Zeit bleibt nicht mehr. Aber man wird das Beste vorbereiten und etwas mit dem Jugendchor und dem Streichorchester darbieten.
Wie Ihr seht, fiel bisher bei mir noch kein einziges Wörtchen von Abschiednehmen von San Ignacio und San Miguel, um mich auf in Richtung heimatliche Gefielde zu machen. War es doch als zwölfmonatiger Aufenthalt gedacht, welcher in diesem Monat August zu Ende gehen würde. Die allermeisten meiner Mit-MaZler sind bereits nach Hause zurückgekehrt. Doch bereits seit langer Zeit war und ist mir klar, das für dieses Jahr als Missionar auf Zeit nicht auf zwölf Monate beschränkt bleiben wird. Einige vielleicht werden jetzt denken: „Ja, ja, der wird da schon seine Frau gefunden haben“. Aber nein, das kann ich Euch allen versichern, das ist es nicht, was mich länger hält! Ich will einfach diese einmalige Chance von MaZ besser nutzen, tiefer in diese Kultur und die Lebens- und Denkweise der Bewohner der Chiquitania eintauchen und mich und meine Arbeit dort zur Verfügung zu stellen, wo Gott mich braucht und eingeplant hat. Aber keine Angst, ich werde auch nicht für immer hier bleiben! Nur ein paar Monate mehr! Damit der Flug nicht direkt umsonst war. ;-)
Wie immer gibts von all diesen oben berichteten Geschehnissen schöne Fotos, die in den nächsten Tagen auf meinem Blog erscheinen werden.
So kann ich jetzt nur noch den Kindern und Jugendlichen schöne, erholsame restliche Sommerferien, sowie allen eine gesegnete, schöne, deutsche Sommerszeit wünschen.
Ganz viele, liebe Grüße aus Bolivien,
Euer Severin
Santa Ana im Festgewandt, unten die festlich geschmueckte Kirche Santa Ana
"Es wird zur Messe gelaeutet!"
Die Statue des San Ignacio in Prozession am Patronatsfest der Kathedrale
Die Frauen des cabildos in der typischen Tracht
Zwei Eindruecke vom Nationalfeiertag, dem día de la patria, am 6. August
Die Pfarrei Maria Asunta im "Festgewand"
Die Marienstatue unserer Pfarrkirche
Und zum Festgottesdienst bringt jeder seine eigene Marienstatue mit zum Segnen lassen
Nach dem Gottesdienst ganz wichtig: die Grundsteinlegung des neuen Pfarrsaales samt bischoeflichem Segen
Kulturelle Beitraege:
oben typischer Tanz (chovena), beide Fotos in der ortsueblichen Tracht
Eine kammermusikalische Darbietung der Musikschule San Miguel
...und nach der fiesta: JUEGOS
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