auf der "plaza" in La Paz
Karneval und Fastenzeit
Bolivien, San Ignacio de Velasco, 17. März 2009,
Rundbrief Nr. 5
Ein herzliches Grüß Gott aus Bolivien!
Mitte März..., es ist Zeit für neue Nachrichten aus Bolivien.
Nach einem bewegten Februar mit bolivianischem Karneval und anschließend einer Reise nach Chile bin auch ich endlich in der Fastenzeit angekommen; nein, das heißt jetzt aber nicht, dass in Bolivien die Fastenzeit erst jetzt begonnen hat; sie beginnt wie im Rest der Welt auch am Aschermittwoch. Doch von Anfang an...
Ein großes Ereignis im Februar war der 11. Februar – „Jornada Mundial del enfermo“, der Welttag der Kranken. Dieser Tag wurde natürlich von unserer Krankenpastoralgruppe entsprechend gestaltet: es wurde ein Team, ein Arzt mit zwei Krankenschwestern, von unserem Stadtkrankenhaus eingeladen, welche den ganzen Tag kostenlose Gesundheitschecks und Beratungsgespräche in der Pfarrei anbaten; d.h., dass alle Leute, die Lust und Zeit hatten, sich beraten und behandeln lassen konnten, was von der Bevölkerung gut angenommen wurde. Viele haben manchmal einfach aus finanziellen Gründen nicht die Möglichkeit, ein Krankenhaus oder einen Arzt zu besuchen, denn gesetzliche Krankenversicherung ist hier ein Fremdwort. Dieser Tag mit besonderer Aufmerksamkeit für die kranken Personen unserer Pfarrei wurde am Abend mit einer Messe, zusammen mit allen Kranken und Alten, abgeschlossen.
Damit ging man dann schon mit großen Schritten auf „Carnaval“ zu. Karneval ist hier ein Fest der Verrückten – wie in Deutschland auch. Hauptsächlich spielt sich dies in den Tagen vor und um den Rosenmontag und Faschingsdienstag ab. Dabei ist der größere Höhepunkt nicht etwa der durchaus schöne, maßgebend von den verschiedenen Militärregimentern (eine ihrer mehr oder weniger sinnvollen Aufgaben??) mitgestaltete Faschingsumzug, der etwas an den brasilianischen Karneval erinnert. Wichtiger sind die beinahe grenzenlosen Wasser-, Schlamm- und Farbenschlachten, bei denen v.a. die Kinder und Jugendlichen sich und alles in ihrer Umgebung in ein etwas anderes Aussehen verwandeln. Jenem bin auch ich nicht entkommen: nach einigen Besorgungen, die ich zu erledigen hatte, bin ich von den Kindern und Jugendlichen mit Wasserbomben und ganzen Eimern voll Wasserladungen gebührend getauft worden.
Diese Karnevalsfeierei wurde mir dann beinahe zum Verhängnis auf meiner Reise nach Chile zu einem Seminar und Treffen mit anderen Frewilligen. Aufgrund des Faschings verkehrten nämlich fast keine öffentlichen Verkehrsmittel... Und gerade in diesen Tagen musste ich zuerst nach La Paz, der Landeshauptstadt, und anschließend nach Iquique in Chile reisen. Doch die Mühen haben sich gelohnt, ich habe Chile erreicht und dort an einem wunderbaren Reflexionsseminar und Wiedersehen mit einigen anderen Missionaren auf Zeit teilgenommen. Nicht zuletzt durfte ich natürlich auch etwas den chilenischen Meeresstrand genießen und viele Muscheln sameln – als kleine Geschenke für alle Leute der Pfarrei; denn die allermeisten Bolivianer, zumindest hier in San Ignacio, fernab von jeder Meeresküste, haben noch nie Meer, Strand oder Muscheln gesehen.
Wieder daheim habe ich erst einmal eine weniger erfreuliche Feststellung machen müssen: bei meiner Geige hat sich vermutlich durch die Feuchtigkeit der etwas länger andauernden Regenfälle eine Leimverbindung gelöst, sodass sie in diesem Zustand unspielbar ist. Ich habe mich dann gleich auf die Suche nach einem Geigenbauer gemacht, doch hieß es überall nur, dass die nächstgelegene Werkstatt, die dies reparieren könne, in Santa Cruz sei. Na toll... Wieder zwei Nächte in einem Reisebus eingeklemmt die Nacht verbringen und hoffen, dass es dort jemanden gibt, der mir das machen kann. Das steht mir jetzt noch bevor.
In der Pfarrei ist man schon voll mit den Vorbereitungen auf Ostern beschäftigt: die Bauarbeiter des Bischofs sind endlich am Fertigstellen unseres Kirchturms (nach einer 9-monatigen Arbeitspause aus ungeklärten Gründen), der kürzlich ins Leben gerufene Pfarrgemeinderat mit seinen Sonderkommissionen tagt mit Eifer und plant die Karwoche und das Osterfest in allen Details, die Katechese für Erstkommunion und Firmung hat begonnen und die Musikgruppe ist besonders fleißig mit der Vorbereitung ihrer Lieder und Gesänge für Ostern.
Dabei ist die Teilnahme von diversen Gruppen und Klassen der zur Pfarrei gehörenden Schulen nicht zu vergessen. Diese bereiten die jetzt in der Fastenzeit sonntagnachmittags stattfindenden großen Kreuzwege zu einer etwa einer Stunde Gehzeit entfernten Kapelle vor und gestalten sie wunderbar. Nicht zuletzt deshalb nehmen an diesen Kreuzwegen sehr viele Leute teil und machen sich, bei der Nachmittagshitze auf der staubigen Sandstraße schwitzend, auf den Weg, der Passion Jesu gedenkend. Freitags hingegen zieht man in einem kleinen Kreuzweg durch die „barrios“, die verschiedenen Wohnviertel der Stadt.
Mitten in diesen ganzen Vorbereitungen freue ich mich schon sehr darauf, die Karwoche und das Osterfest hier in San Ignacio einmal etwas anders erleben zu dürfen; nach den Fotos und Erzählungen des vergangenen Jahres ist diese Zeit sicherlich etwas ganz besonderes im Jahreslauf hier in San Ignacio. So werde ich Euch dann nach Ostern berichten, wie es schließlich gefeiert wurde und ob sich meine Vorfreude auch wirklich gelohnt hat, woran ich aber nicht zweifle.
So wünsche ich Euch ebenfalls viel Vorfreude und eine segensreiche restliche Fastenzeit und erfolgreiche Vorbereitungen auf das große Osterfest. Es begleite Euch stets in all Euren Aktionen der Beistand und Segen Gottes.
Die besten Grüßen an alle aus San Ignacio.
Euer Severin
Bolivien, San Ignacio de Velasco, 17. März 2009,
Rundbrief Nr. 5
Ein herzliches Grüß Gott aus Bolivien!
Mitte März..., es ist Zeit für neue Nachrichten aus Bolivien.
Nach einem bewegten Februar mit bolivianischem Karneval und anschließend einer Reise nach Chile bin auch ich endlich in der Fastenzeit angekommen; nein, das heißt jetzt aber nicht, dass in Bolivien die Fastenzeit erst jetzt begonnen hat; sie beginnt wie im Rest der Welt auch am Aschermittwoch. Doch von Anfang an...
Ein großes Ereignis im Februar war der 11. Februar – „Jornada Mundial del enfermo“, der Welttag der Kranken. Dieser Tag wurde natürlich von unserer Krankenpastoralgruppe entsprechend gestaltet: es wurde ein Team, ein Arzt mit zwei Krankenschwestern, von unserem Stadtkrankenhaus eingeladen, welche den ganzen Tag kostenlose Gesundheitschecks und Beratungsgespräche in der Pfarrei anbaten; d.h., dass alle Leute, die Lust und Zeit hatten, sich beraten und behandeln lassen konnten, was von der Bevölkerung gut angenommen wurde. Viele haben manchmal einfach aus finanziellen Gründen nicht die Möglichkeit, ein Krankenhaus oder einen Arzt zu besuchen, denn gesetzliche Krankenversicherung ist hier ein Fremdwort. Dieser Tag mit besonderer Aufmerksamkeit für die kranken Personen unserer Pfarrei wurde am Abend mit einer Messe, zusammen mit allen Kranken und Alten, abgeschlossen.
Damit ging man dann schon mit großen Schritten auf „Carnaval“ zu. Karneval ist hier ein Fest der Verrückten – wie in Deutschland auch. Hauptsächlich spielt sich dies in den Tagen vor und um den Rosenmontag und Faschingsdienstag ab. Dabei ist der größere Höhepunkt nicht etwa der durchaus schöne, maßgebend von den verschiedenen Militärregimentern (eine ihrer mehr oder weniger sinnvollen Aufgaben??) mitgestaltete Faschingsumzug, der etwas an den brasilianischen Karneval erinnert. Wichtiger sind die beinahe grenzenlosen Wasser-, Schlamm- und Farbenschlachten, bei denen v.a. die Kinder und Jugendlichen sich und alles in ihrer Umgebung in ein etwas anderes Aussehen verwandeln. Jenem bin auch ich nicht entkommen: nach einigen Besorgungen, die ich zu erledigen hatte, bin ich von den Kindern und Jugendlichen mit Wasserbomben und ganzen Eimern voll Wasserladungen gebührend getauft worden.
Diese Karnevalsfeierei wurde mir dann beinahe zum Verhängnis auf meiner Reise nach Chile zu einem Seminar und Treffen mit anderen Frewilligen. Aufgrund des Faschings verkehrten nämlich fast keine öffentlichen Verkehrsmittel... Und gerade in diesen Tagen musste ich zuerst nach La Paz, der Landeshauptstadt, und anschließend nach Iquique in Chile reisen. Doch die Mühen haben sich gelohnt, ich habe Chile erreicht und dort an einem wunderbaren Reflexionsseminar und Wiedersehen mit einigen anderen Missionaren auf Zeit teilgenommen. Nicht zuletzt durfte ich natürlich auch etwas den chilenischen Meeresstrand genießen und viele Muscheln sameln – als kleine Geschenke für alle Leute der Pfarrei; denn die allermeisten Bolivianer, zumindest hier in San Ignacio, fernab von jeder Meeresküste, haben noch nie Meer, Strand oder Muscheln gesehen.
Wieder daheim habe ich erst einmal eine weniger erfreuliche Feststellung machen müssen: bei meiner Geige hat sich vermutlich durch die Feuchtigkeit der etwas länger andauernden Regenfälle eine Leimverbindung gelöst, sodass sie in diesem Zustand unspielbar ist. Ich habe mich dann gleich auf die Suche nach einem Geigenbauer gemacht, doch hieß es überall nur, dass die nächstgelegene Werkstatt, die dies reparieren könne, in Santa Cruz sei. Na toll... Wieder zwei Nächte in einem Reisebus eingeklemmt die Nacht verbringen und hoffen, dass es dort jemanden gibt, der mir das machen kann. Das steht mir jetzt noch bevor.
In der Pfarrei ist man schon voll mit den Vorbereitungen auf Ostern beschäftigt: die Bauarbeiter des Bischofs sind endlich am Fertigstellen unseres Kirchturms (nach einer 9-monatigen Arbeitspause aus ungeklärten Gründen), der kürzlich ins Leben gerufene Pfarrgemeinderat mit seinen Sonderkommissionen tagt mit Eifer und plant die Karwoche und das Osterfest in allen Details, die Katechese für Erstkommunion und Firmung hat begonnen und die Musikgruppe ist besonders fleißig mit der Vorbereitung ihrer Lieder und Gesänge für Ostern.
Dabei ist die Teilnahme von diversen Gruppen und Klassen der zur Pfarrei gehörenden Schulen nicht zu vergessen. Diese bereiten die jetzt in der Fastenzeit sonntagnachmittags stattfindenden großen Kreuzwege zu einer etwa einer Stunde Gehzeit entfernten Kapelle vor und gestalten sie wunderbar. Nicht zuletzt deshalb nehmen an diesen Kreuzwegen sehr viele Leute teil und machen sich, bei der Nachmittagshitze auf der staubigen Sandstraße schwitzend, auf den Weg, der Passion Jesu gedenkend. Freitags hingegen zieht man in einem kleinen Kreuzweg durch die „barrios“, die verschiedenen Wohnviertel der Stadt.
Mitten in diesen ganzen Vorbereitungen freue ich mich schon sehr darauf, die Karwoche und das Osterfest hier in San Ignacio einmal etwas anders erleben zu dürfen; nach den Fotos und Erzählungen des vergangenen Jahres ist diese Zeit sicherlich etwas ganz besonderes im Jahreslauf hier in San Ignacio. So werde ich Euch dann nach Ostern berichten, wie es schließlich gefeiert wurde und ob sich meine Vorfreude auch wirklich gelohnt hat, woran ich aber nicht zweifle.
So wünsche ich Euch ebenfalls viel Vorfreude und eine segensreiche restliche Fastenzeit und erfolgreiche Vorbereitungen auf das große Osterfest. Es begleite Euch stets in all Euren Aktionen der Beistand und Segen Gottes.
Die besten Grüßen an alle aus San Ignacio.
Euer Severin
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