Bergen, Deutschland, 10. Juni 2010
Ein herzliches Grüß Gott an alle!
Jetzt bin ich wieder da! Daheim! Zurück in Deutschland, in der Heimat, bei der Familie, im „altgewohnten“ Umfeld. Fast drei Wochen ist es nun schon her, dass ich in Deutschland wieder gelandet bin. Drei Wochen ist es schon her, dass ich mich von San Miguel und San Ignacio de Velasco verabschiedete, welche in den vergangenen zwanzig Monaten meine Arbeits- und vor allem Lebensumfelder waren, meine „zweite Heimat“.
Zweieinhalb Wochen schon wieder zurück in Deutschland, und doch bin ich irgendwie noch nicht ganz angekommen. Das wird auch noch seine Zeit dauern. Denn hier ist es seltsam, sehr seltsam. „Was?“, willst du fragen, „Was ist seltsam?“. Alles! Es ist nicht leicht, wieder in der Heimat anzukommen. Um ehrlich zu sein, mir fällt es sogar schwerer, als mich von den Leuten, von San Ignacio und San Miguel zu verabschieden. Es ist sehr seltsam, nach zwanzig intensiv gelebten Monaten in einem anderen, weit entfernten Land, einer völlig anderen Kultur wieder zurück in die Heimat zu kommen, wo alles so ganz anders ist, aber gleichzeitig auch so alt-bekannt... Die ersten Tage und Momente in der neuen-alten Heimat erlebte ich wie einen Traum: irgendwie so unwirklich. Wie schlafwandelnd. Man wandelt gedankenlos umher, schaut nur und weiß zuerst gar nicht, wie man sich in diesem „neuen“ Umfeld eigentlich verhalten soll. Ich konnte es gar nicht realisieren, dass ich ja eigentlich schon wieder zurück war, dass ich gar nicht mehr in San Ignacio und San Miguel war. Ein Traumzustand, den es zu überwinden gilt, was aber auch seine Zeit braucht. Es wird noch ein wenig dauern, bis ich völlig in die Gegenwart, ins Daheim zurückgekehrt sein werde. Doch gleichzeitig war dieses sehr intensive Erlebnis des Zurückkehrens auch ein sehr schönes, das ich nicht missen wollen möchte, und das ja auch Teil eines MaZ-Einsatzes ist und sein soll. Es beginnt ein langer, aber wichtiger Verarbeitungsprozess der ganzen erlebten Erfahrungen und Eindrücke, die Verarbeitung der in Bolivien gemachten Eindrücke mit und in der „deutschen“ Realität.
Doch auch nicht leicht war der Abschied aus Bolivien, aus San Ignacio und San Miguel, von liebgewonnenen Menschen, von guten Freunden, stets auch mit dem Gedanken im Hinterkopf, die allermeisten niemals wieder sehen zu können. Gefeiert wird in Bolivien ja viel und lang, so auch die Abschiede. Die Abschiedsfeste, „nur“ vier im Gesamten, berührten mich sehr stark und ließen mich auch ein Stück mehr erkennen, wie sehr mich auch die Leute vor Ort ins Herz geschlossen hatten. Das erste Abschiedsfest war in San Miguel mit den Kindern und Jugendlichen der Musikschule, welche mir ein großes Fest veranstalteten, bei dem gefeiert, gegessen, getrunken und sogar getanzt wurde. Teilweise kam ich mir ja fast vor, als feierte man meinen Geburtstag, denn auch die dafür üblichen Spielchen (wie die in ganz Südamerika allgemein bekannte „Piñata“, eine Art Überraschungs-Süßigkeiten-Schachtel) fehlten nicht. Doch die vielen Klagen und Einwände der Kinder, welche ich überhaupt sehr oft in diesen Tagen des Abschieds immer wieder mir anhören musste, brachten mich wieder schnell in die Wirklichkeit zurück: „Profe, no se vaya. Tiene que quedarse aquí. Lo necesitamos. Seguro que no le gusta aquí y por eso se va a ir…“ (Geh nicht. Du musst da bleiben. Wir brauchen dich. Sicherlich gefällt es dir hier bei uns nicht und deswegen verlässt du uns…”) und viele andere Einwände mehr. Witzig waren auch immer die Spekulationen, welche die Leute, vor allem die Kinder, oft anstellten darüber, warum ich denn wieder zurückginge. Neben dem Verabschiedungsfest mit den Kindern, Jugendlichen und anschließend auch den Eltern der Musikschule, neben den beiden feierlichen Mittag- bzw. Abendessen mit den Padres, den Schwestern und den Angestellten durfte dann natürlich auch das von der gesamten Pfarrgemeinde von „María Asunta“ in San Ignacio nicht fehlen. Das selbige wurde groß und etwas heimlich (tuerisch) vorbereitet, und so war die Überraschungsfeier auch sehr gut gelungen. Jede Gruppe der Pfarrei hatte am Sonntagabend nach der Abendmesse etwas vorbereitet und dargebracht, es wurde natürlich auch hier gegessen und getrunken, und eine jede Gruppe hat mir sogar ein kleines (oder manchmal auch ein etwas größeres) Geschenk als Erinnerungsstück vermacht. Fand ich sehr nett, aber sie machten mir damit den Abschied auch nicht unbedingt leichter. Persönliche Abschiede von sehr guten Freunden und liebgewonnen Menschen waren sehr schwer, doch auch die Abschiede gehören zum MaZ-Sein dazu und tragen auch zu einem intensiveren Erleben dieser Erfahrungen bei. Ich sehe es auch als Zeugnis dafür, wie sehr man in eine Kultur und ihre Menschen eintauchen kann (und ich auch ehrlich gesagt eingetaucht bin). Denn würde man sich leicht verabschieden, hätte man auch keine starken Bindungen aufgebaut zu den Leuten, aber das ist ja genau das Ziel und der Sinn von MaZ-Sein: in die Kultur eintauchen, um Bindungen und tragende Beziehungen zu den Menschen aufzubauen, denn nur so ist die immer angestrebte „Eine Welt“ realisierbar.
Am darauffolgenden Tag, also am Montag, musste ich dann San Ignacio und die Chiquitanía endgültig verlassen; im Geländewagen, nach Santa Cruz von wo ich auch am Mittwoch meinen Rückflug haben sollte. Doch wäre es nicht Bolivien, wenn alles glatt und wie geplant laufen würde. Als ich am Dienstagnachmittag noch in der Innenstadt von Santa Cruz unterwegs war, um noch einige Dinge zu erledigen und mich noch mit einigen anderen Freunden zu treffen, bekam ich einen Anruf, ich sollte doch mal kurz im Reisebüro vorbei schauen, denn mein geplanter Flug wäre gestrichen worden… So eilte ich zu besagtem Reisebüro, um mich näher zu informieren und diesbezügliche Probleme zu regeln, und dort bestätigte sich auch nochmal: Flug gestrichen! Und jetzt? „Gehen Sie doch mal zur Airline, die den Flug gestrichen hat, und verlangen Sie als Schadensersatz, dass diese Ihnen eine neue Flugverbindung suchen“, war die Auskunft im Reisebüro. Am nächsten Tag früh morgens also raus aus den Federn und ins Bürogebäude meiner guten bolivianischen Airline Aerosur gepilgert. Dort angekommen erklärte mir die gute Dame: „Ist richtig, wir haben den Flug gestrichen, und den nächsten Interkontinentalflug nach Madrid auf Samstag angesetzt. Aber wegen Ihrer Verbindung müssen Sie selber schauen.“ Das war zwar sehr höflich, überzeugte mich aber keineswegs. Denn die Umbuchung meines Anschlussfluges kostete über 200 US-Dollar und ich sah irgendwie nicht ein, diese zu zahlen (und abgesehen davon hatte ich diese auch nicht mehr), wenn die gute Airline ihre Flüge streicht. Ich versuchte, das zu erklären, doch konterte die nette Dame: „Ich verstehe Sie gut, aber der Flug wurde bereits 15 Tage im Voraus gestrichen. Und wir haben da eine gesetzliche Regelung, welche besagt, dass in diesem Falle die Airline für Folgeprobleme (wie zum Beispiel Anschlussprobleme der Fluggäste) nicht aufkommen muss.“ So gingen die Verhandlungen und Diskussionen zweieinhalb Tage lang weiter, das Reisebüro stand auf meiner Seite und verhandelte mit mir bis in die höchsten Personaletagen der Airline, doch viel war nicht zu machen. Aber immerhin etwas: als Schadensersatz erreichten wir die Umbuchung in erste Klasse von Santa Cruz bis nach Madrid, und ich bekam dann noch 75 US-Dollar ausgezahlt (für die Unterkunft). So war die Umbuchungslast nicht mehr so arg, und was sehr angenehm war: der Erste-Klasse-Service im Interkontinentalflug. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich noch nie so nobel gespeist habe (um vom übrigen Service gar nicht zu sprechen) wie während dieses Fluges! Da war der Kontrast doch sehr groß zwischen den halbverrosteten Alublechtellern mit verbogenen Löffeln und der „Chicha“ aus der „Tutuma“ (der Schale einer Frucht), und der enormen Vielfalt von Speisen und Getränken, von Sushi angefangen über Seelachs, begleitet vom besten Whisky, Cognac, Weinen oder Fruchtsäften, serviert stets im stilgerechten Glas, randvergoldeten Tellern und Silberbesteck. Das habe ich aber natürlich auch genossen. So kam ich wohlbehalten, mit nur zwei Tagen Verspätung, den großen Flughafen von Madrid, und konnte von dort auch meinen Anschlussflug nach München nehmen. Doch der Kontrast zwischen der einfachen bolivianischen Esskultur und dem Erste-Klasse-Service im Flugzeug war nicht der einzige Kontrast. Während zwanzig Monaten durfte ich die große Herzlichkeit, das freundliche, offene Wesen und die Großzügigkeit der Bolivianer in der Chiquitanía genießen. Aber als ich am Flughafen in Madrid auf meinen Anschluss wartete, näherte ich mich einer Sitzbank, um mich etwas auszuruhen, wurde ich leider wieder schnell in die europäische Wirklichkeit zurückgeholt. Da bereits eine Frau dasaß, und einige Koffer herumstanden, fragte ich diese in freundlichem Ton: „Entschuldigung, sind das Ihre Koffer?“ Das hätte ich leider nicht fragen sollen, denn ich wurde angefahren in einem wütenden Grunzeton, als ob ich ihr das Wurstbrot geklaut hätte. Willkommen in Europa!
Doch darf ich dankbar feststellen, dass viele Leute, Bekannte und Freunde sich freuen, mich wieder zu sehen und sehr daran interessiert sind, wie es denn gewesen wäre, was ich erlebt hätte. Viele versuchen, mir das Wiedereinleben hier in Deutschland, daheim, so einfach wie möglich zu machen. Eine wichtige und erleichternde Rolle dabei hatte dabei für mich ganz besonders auch die „MaZ-Familie“, all die Bekannten und guten Freunde, die mit mir zusammen die Vorbereitung für diesen Auslandseinsatz gemacht haben, tolle und sehr einfühlsame Freunde, die Ähnliches erlebt hatten, wenn auch zum Teil in ganz anderen Ländern, Kulturen und Kontinenten, viele, die schon wieder längere Zeit zurück in Deutschland sind, die sehr viel Verständnis für meine momentane Situation hatten, sich um mich gekümmert haben und einfach da waren, um sich austauschen zu können. Sie erleichterten mir sehr in diesen Tagen das Wieder-Ankommen. So durfte ich eine weitere, sehr wichtige Facette, die die intensive Vorbereitung auf den Einsatz in sich birgt, erleben und wert schätzen lernen: die tragenden Freundschaften, verbunden im gemeinsamen Geist, das, was uns alle verbindet, nämlich die Erfahrungen als Missionar auf Zeit im Ausland. Dies ist meiner Ansicht nach einer der wichtigsten Aspekte, wenn nicht überhaupt der wichtigste, der Vorbereitungszeit! Viel wichtiger als die thematischen Inhalte.
Zurückschauend auf die ganzen Erlebnisse in Bolivien, auf die zwanzig Monate als MaZ in der Chiquitanía, im Tiefland Boliviens, in den beiden Pfarreien „María Asunta“ in San Ignacio de Velasco und in San Miguel de Velasco, kann ich auf einen enormen Reichtum von äußerst vielen Erfahrungen und Erlebnissen in verschiedensten Lebensbereichen wie Gemeinschaftsleben, Freundschaften, Kultur, Religion und Arbeit blicken. Dieser große Schatz so vieler Eindrücke – viele Erinnerungen treten mir jetzt während des Schreibens und immer wieder in diesen Tagen seit meiner Heimkehr in den Sinn –, dieser Schatz ist so unfassbar, ungreifbar, dass ich erst nach und nach verstehe, was ich in dieser Zeit meines Einsatzes erleben und teilen durfte und die Bedeutung, die dies für mein zukünftiges Leben haben wird. Ich bin aber auch sicher, dass es mir nie möglich sein wird, das alles hundert prozentig zu verstehen. Es ist wahr, dass es unmöglich ist in den Grenzen, die die Sprache bietet, das alles auszudrücken, was ich in mir fühle; mir fehlen im wahrsten Sinne die Worte und es wird sie nie geben. Viele Menschen fragen mich in diesen Tagen die absolut natürliche und selbstverständliche Frage: „Und? Wie war’s? War’s schön?“ Ich weiß nicht, was ich auf diese Frage antworten soll. Freilich kann ich sagen: „Super!“, „Total schön!“, „Einfach genial!“ oder so viele andere Wörter. Doch es ist schlichtweg einfach nicht möglich, das in fast zwei Jahren Erlebte in wenigen Worten darzustellen.
Aber all meine momentanen Gefühle und Sensationen zusammenfassend, kann ich sagen, dass ich erfüllt bin von einer tiefen Dankbarkeit. Dankbarkeit für einfach alles! Dankbar für alles, was ich erleben durfte, was die Menschen vor Ort mit mir teilten, was ich von ihnen lernen durfte, dafür, wie sie mich aufgenommen haben, wie sie mir anvertrauten, wie sie für mich da waren. Ich habe sehr viel gelernt; mehr als in meinen ganzen dreizehn Schuljahren. Weniger im thematischen, inhaltlichen Sinne, sondern im menschlichen, sozialen, spirituellen Sinn. So viel habe ich gelernt von den Leuten vor Ort, von ihrer Kultur, von ihrer Lebens- und Denkweise, im Umgang mit den Menschen, lernte das wirklich wichtige im Leben wertzuschätzen, lernte aus sehr tiefgründigen Freundschaften, lernte über menschliche, soziale und vor allem christliche Werte. Ich lernte den Umgang mit Kindern und Jugendlichen, mit Alten und Kranken, lernte, glücklich zu sein, auch wenn es vielleicht die äußeren Umstände nicht erlauben zu scheinen… Ich habe so viel mehr gelernt, was ich hier nicht alles aufführen kann, was mir vielleicht noch nicht einmal bewusst ist, aber was ich in mir trage.
Natürlich gibt es neben der enorm großen Schatzkiste der tollen, schönen Erfahrungen auch ein kleines Schächtelchen weniger positiver Erlebnisse, welche aber keineswegs die positiven zuzudecken vermögen. Auch die negativen Erfahrungen sind Teil eines solchen Einsatzes, Teil des Lebens an sich. Aber ich traue mich sogar zu sagen, dass die negativen Erfahrungen sich im Nachhinein, in der Gegenwart und Zukunft, in positive umwandeln, denn sie sind Erlebnisse, aus denen man lernt, die auch sehr wichtig sind, um seinen Weg zu finden.
Mein MaZ-Einsatz war ein Abenteuer auf ganzer Linie, vom ersten Tage bis zum letzten, aber mehr als ein Abenteuer, war und ist es eine große interkulturelle Begegnung, aus der alle, die Menschen vor Ort, in San Ignacio und San Miguel, genauso wie ich, viel positives mitnehmen und unsere Lebenshorizonte erweitern können, um so ein paar Schritte weiter zu gehen auf dem Weg zur Verwirklichung Gottes Reiches auf Erden, auf dem Weg hin zur Einen Welt. Jeden Tag meines Einsatzes, jede Minute, jeden Moment und jede Begegnung genoss ich überaus und sah sie stets als einzigartig an, als etwas ganz Besonderes.
Noch einmal möchte ich hier, in meinem letzten MaZ-Rundbrief, ein sehr, sehr herzliches Vergelt’s Gott und Vielen Herzlichen Dank sagen an alle, die mich stets unterstützen auf unzählige Art und Weise. Vielen Dank für die vielen, großzügigen Spenden, ohne die mein Einsatz als Missionar auf Zeit nie möglich gewesen wäre. Vielen Dank an alle, die mich materiell großherziger Weise unterstützten. Vielen herzlichen Dank an alle, die mich im Gebet begleitet, getragen und unterstützt haben. Ohne die vielseitige Unterstützung von Euch allen wäre dieses großartige MaZ-Erlebnis nie möglich gewesen. Ein herzliches Vergelt’s Gott und „muchísimas gracias de todo corazón“ an alle.
Noch einmal will ich zum bereits mehrmals in meinen Rundbriefen verwendeten Bild der MaZ-Sonnenblume zurückkehren. Das Gedicht, das mir jemand vor fast zwei Jahren beim Abschied mit auf den Weg nach Bolivien gab, war dieses:
„Wie eine große Sonnenblume aus einem kleinen Kern entsteht,
so klein beginnt ein MaZ sein Wirken, wenn er jetzt in die Ferne geht.
Wir wünschen, lieber Severin, zuerst dir eine gute Reise,
nach Bolivien, weit übers Meer, fass Wurzeln schnell im neuen Kreise.
Dort soll dein kleiner Blumenkern ganz kräftig wachsen und gedeihn.
Wie eine große Sonnenblume soll bald dein Wirken sichtbar sein.“
Ja, so war es wirklich. Sehr klein, wie der kleine Sonnenblumenkern, habe ich angefangen: zuerst die Sprache erlernen, die Leute, ihre Kultur und Lebensweise etwas kennen lernen. Die ersten Wurzeln fassen im neuen Boden, in der für mich neuen Kultur, in einer neuen, anderen Gesellschaft mit anderen Bräuchen, Gewohnheiten und Sitten. Dazu muss man die alte Samenhülle zurücklassen, der Samen, der in sich die Lebenskraft für eine große Blume birgt, muss sterben. So musste auch ich meine Heimat, meine Familie, Freunde und liebe Menschen, Hobbies und vieles andere Schöne zurücklassen in Deutschland. Doch kaum haben die ersten Wurzeln halt gefunden im neuen Erdreich, schon begann sie zu wachsen, Triebe auszubilden. Erst langsam und vorsichtig, doch dann nach und nach wurde sie immer kräftiger, stärker, sicherer. Es bildeten sich allmählich die ersten Knospen, Blätter zeigten sich. Die Sprache beherrscht man einigermaßen, erste, tiefere Kontakte und Beziehungen zu den Menschen entstehen, Arbeitsfelder werden entdeckt, das Wirken beginnt allmählich. Die Sonnenblume wächst, sie wird größer. Die Blätter werden mehr, und die ersten Blütenknospen setzen an. Und plötzlich, an einem schönen Tag, bricht die erste Blüte auf, entfaltet sich und zeigt ihre volle Schönheit. Das sind die ersten Erfolgserlebnisse. Man arbeitet, bereitet vor, sammelt Erfahrungen. Und an einem schönen Tage plötzlich kommt ein tolles Erlebnis, eine schöne, intensive Begegnung, der erfolgreiche Abschluss einer Arbeit, das Genießen-Können des einfach nur Da-Seins. Weitere Zweiglein und Blütenknospen wollen sich ausbilden. Wachsen langsam, zögernd. Doch da zieht ein Unwetter über das Land, dunkle Wolken werden vom Sturm herbei getrieben, Wolkenbrüche stürzen vom Himmel und die zarte, gerade noch blühende Sonnenblume droht, niedergerissen zu werden und abzubrechen. Aber Gott sei Dank zieht das Unwetter ab, die Sonne kommt erneut zum Vorschein und die Sonnenblume will sich die Regentropfen aus der etwas zerzausten und mitgenommenen Blüte schütteln. Unwetter gab es nicht viele während meines MaZ-Einsatzes, aber es gab sie auch. Auf einmal, urplötzlich, kommt ein unerwarteter Schlag, eine Enttäuschung, etwas hat nicht geklappt… Aber es geht weiter. Das Unwetter bleibt nicht ewig. So vergeht die Zeit. Die Sonnenblume bringt andere Blüten und Zweiglein hervor, die sie stets nach der Sonne ausrichtet, ohne der sie nicht leben kann. Aber auch einige Blüten verblühen oder ein Zweiglein bricht ab. Es vergeht der Sommer und allmählich muss sich die Sonnenblume von dem ihr liebgewordenen Garten Abschied nehmen. Die Tage werden kälter und die meisten Blüten tragen viele kleine neue Samen in sich, die alle die Anlagen für eine neue, große Sonnenblume haben. Einige von diesen Samen werden vielleicht schon bald austreiben und wachsen, andere erst in ein paar Jahren, und wieder andere verlieren sich oder werden von den Tieren gefressen. Das Lebenswerk der Sonnenblume ist vollbracht. So vergingen auch in meinem Einsatz die Tage. Die Blüten, mein Handeln und Wirken, war stets ausgerichtet nach der Sonne des Leben: Gott. Aber der Abschied kam näher und so mancher Samen fiel in Erdreich und ruht oder gedeiht auch schon vor sich hin. Das sind die Früchte des erlebten MaZ-Einsatzes. Aus einigen wird Neues hervor treiben.
So hat auch die MaZ-Sonnenblume ihr Lebenswerk vollendet, ihr Wachsen und Gedeihen in Bolivien hat ein Ende gefunden. Mein Einsatz als Missionar auf Zeit in Bolivien ist beendet. Das heißt…, fast beendet. Denn die Früchte, die Samen, bleiben ja und bergen neues Leben, neue Sonnenblumen in sich. So wünschte ich, dass ich an einen jeden einzelnen von Euch einen kleinen Samen meiner großen MaZ-Sonnenblume weitergeben kann und dieser vielleicht sogar ein wenig gedeiht und eine neue, vielleicht andere Sonnenblume hervorbringt.
In diesem Sinne wünsche ich einem jeden von Euch, euren Familien und für eure Zukunft Gottes reichen Segen!
Euer Severino Parzinger
Die Sonneblume: Mein MaZ-Symbol! Denn wie das Leben einer Sonneblume, vom kleinen Samen bis hin zur großen Blume mit wunderschönen Blüten, so ist auch der Einsatz als Missionar auf Zeit in einer anderen Kultur, in einem anderen Land. So war mein Einsatz in Bolivien.Ausgezeichnet von vielen, wunderschönen, großen und kleineren Blüten.













